von Jameson » Mo 6. Sep 2010, 14:42
Martha Washington # 2 – Martha Washington zieht in den Krieg
Martha Washington befindet sich auf einer Sondermission während des 2. Amerikanischen Bürgerkrieges in New York. Pax hat die Produktion und den Verkauf von rotem Fleisch verboten. Dennoch gehen sie und ihre Soldaten zu Fat Boy Burger.
In Philadelphia spürt sie Captain Kurtz auf. Da die Formel für das Supersoldatenserum und alle Vorräte vernichtet wurden, soll sie ihm Blut abzapfen, um neue Supersoldaten züchten zu können.
Pax will Texas zurückerobern. Bei einem Einsatz in Texas erfährt Martha erstmals von den sogenannten Geistern, bei denen es sich um unsichtbare Soldaten handeln soll. Während des Einsatzes wird sie lebensgefährlich verletzt. Als sie schon fast tot ist, gibt ihr die Erinnerung an ihre Mutter und an Wasserstein wieder neue kraft.
Sie will den Gerüchten über die Geister nachgehen und begibt sich zu Harmony, einem Satelliten, der Pax als Hauptquartier dient. Dort lernt sie den Chefingenieur kennen, der verzweifelt gegen eine Serie von Pannen ankämpft, als die Geister in Harmony eindringen. Sie verfolgt die Geister in die verbotene, radioaktive Zone. Nach einem Kampf ist sie bewusstlos und erwacht zu ihrem Erstaunen in einer Art Paradies. So lernt Martha Washington die Wahrheit über den Präsidenten, den Krieg und die als vermisst geltenden Wissenschaftler kennen. Sie schwört Pax ab und läuft zur Gegenseite über.
Frank Miller erläutert den Unsinn des Krieges anhand von drei Episoden, die den skurril ironischen Ton des ersten Runs wunderbar aufnehmen und eben aufgrund ihrer Kürze noch verfeinern. Diese Kurzgeschichten waren ursprünglich für eine schwarz-weiße Darstellung konzipiert und erst nachträglich koloriert. Aufgrund von Umstellungen der Skripte konnten die Stories nicht chronologisch veröffentlicht werden. Für den vorliegenden Band wurden sie aber chronologisch geordnet.
Captain Kurtz ist natürlich eine Hommage an Captain America und Jack Kirby, den sowohl Miller, als auch Gibbons verehrt haben. Der Schluss der Story ist daher auch so zu verstehen, dass man sich als Künstler nun nicht mehr bei Kirby bedienen, sondern ihn in Frieden ruhen lassen soll.
In dem Fünfteiler, der die Serie und den Charakter Martha Washington schließlich völlig neu ausrichtet, stirbt Martha Washington einmal mehr beinahe. Gleichzeitig taucht mit dem Gesundheitsminister der große Gegenspieler des ersten Storybogens wieder auf. Miller hat ihn interessanterweise so ausgerichtet, dass er nicht nur Verbrechen als Krankheit, sondern primär Krankheit als Verbrechen ansieht.
Jeder Krieg hat seine Legenden. An dieser Strickt Miller mit den „Geistern“, die eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei Pax auslösen und so mehr Schaden anrichten, als Pax jemals zugeben würde. Somit wird nicht nur die Legendenbildung aufs Korn genommen, sondern auch der passive Widerstand geschildert, den die „Geister“ ausüben. Auf diese Weise arbeitet Miller den skurrilen Grundton seiner Story noch deutlicher heraus und übersteigert ihn fast. Dennoch oder gerade deswegen verbreitet seine Story gute Laune und bereitet hohes Lesevergnügen. Hierzu zählen als Stilmittel auch die klug gesetzten Cliffhanger.
Als Martha Washington die Wahrheit über Pax und den Präsidenten erfährt, bricht für sie eine Welt zusammen. Dies ist der große Auftritt von Dave Gibbons, dem es gelingt, in wenigen Panels die komplette bandbreite an Emotionen in die Mimik der Titelheldin zu zeichnen. Konsequent richtet Miller den Charakter seiner Titelfigur neu aus. Aus einer tödlichen Kampfmaschine wird nun, auch wenn es paradox klingt, eine Kämpferin für den Frieden.
Insgesamt geht Miller einmal mehr da weiter, wo 1984 aufhört. In 1984 dient der ewige Krieg als Rechtfertigung und Drohkulisse der eigenen Herrschaft. Bei Martha Washington wird betont, dass dies nur auf eine vorübergehende Zeit ausgerichtet sein kann.
Die Frage des Krieges ist konsequenterweise nicht eine Frage nach Gut oder Böse, sondern nach Kompetenz und Inkompetenz oder auch Politik gegen Wissenschaft verbunden mit der Kritik an Politikern und Regierungen, die die Menschen in nicht immer günstige Bahnen leiten.
Genau dies unterstreicht die abschließende Story, in der Martha Washington eine Erde in einer Paralleldimension kennen lernt, die einem Paradies gleicht. Dort werden die Kräfte, das Wissen und die Ressourcen verantwortungsvoll gebündelt. Dabei gelingt es Miller, seine Story nicht durchweg mit erhobenem Zeigefinger zu erzählen, sondern mit einer erneut skurrilen Story, die jederzeit beste Comic-Unterhaltung bietet.