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Sandman

Sandman

Beitragvon Jameson » Mo 23. Nov 2009, 11:45

Sandman ist eine von Neil Gaiman geschriebene Serie, die auf einem nahezu völlig unbekannten Nebencharakter des DC-Multiversums basiert und den er aber für seine Serie völlig neu entwickelt und erfunden hat. Die Serie selbst wird von unterschiedlichen Zeichnern begleitet und umfasst 75 Ausgaben.
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Sandman: Ewige Nächte

Beitragvon Jameson » Di 13. Apr 2010, 08:41

Sandman: Ewige Nächte

Diese Anthologie hat Gaiman anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Sandman verfasst. Jedes der sieben Kapitel des vorliegenden Bandes ist einem anderen Familienmitglied der Ewigen gewidmet. In einigen Erzählungen nimmt dabei einer der Ewigen die Hauptrolle ein, in anderen Kapiteln bestimmt der Ewige zwar die Handlung, aber er wirkt im Hintergrund – je nach Charakter des Familienmitglieds.

Tod in Venedig

Diese Story wurde von P. Craig Russel gezeichnet und wie schon dem Titel zu entnehmen ist, ist sie Death gewidmet. Sie bezieht sich einerseits auf Thomas Manns „Tod in Venedig“, andererseits auf Edgar Allan Poes „Masque of the Red Death“.
Die Story selbst besteht folgerichtig auch aus zwei Teilen, die erst am Ende zusammengeführt werden. So handelt der erste Teil von einem Adligen, dem es gelungen ist, sein Anwesen und seine Gäste von Krankheiten, Altern und Tod abzuschirmen.
Der zweite Teil, der in der Ich-Perspektive erzählt wird, handelt von einem Soldaten, der aufgrund seines Berufs zum Zyniker geworden ist.
Der Adlige hat für sich erkannt, dass das Problem des ewigen Lebens darin liegt, sich nicht zu langweilen. Während Death auf Einlass zu seiner Party wartet, erfindet der Adlige immer neue bizarre Wege, sich zu unterhalten.
Angezogen von der Insel, auf der der Adlige lebt, öffnet er Death das Tor zum Anwesen des Adligen.

Der Geschmack der Begierde

In dieser Erzählung wird eine Jungfrau von Desire in eine Verführerin verwandelt. Gleichzeitig ist sie aber nicht in der Lage, den Mann ihrer Träume für sich zu gewinnen. Als ihr Ehemann ermordet wird, verübt sie Rache.
Diese Story wurde von Milo Manara gezeichnet, den Gaiman insbesondere für seine Arbeit an Indian Summer bewundert hat. Die Aussicht, mit Manara zusammenarbeiten zu können, war Teil der Motivation, diese Story zu schreiben.

Das Herz eines Sterns

Dream verliebt sich in Killalla, die sein Herz bricht. Ist Dream zunächst Desire für seine Liebe zu Killalla dankbar, macht er ihn dann für sein gebrochenes Herz verantwortlich.
Diese Story wurde von Miguelanxo Prado gezeichnet und ist in der Chronologie die erste Sandman Story. Sie bezieht Charaktere wie Sto-Oa, Rao und Sol aus dem DC Multiversum ein und erklärt natürlich die Animositäten zwischen Dream und Desire.

15 Porträts von Despair

Diese Story wurde von Barron Storey gezeichnet, das Design stammt unverwechselbar von Dave McKean und handelt von 15 bizarren Kunstwerken, die die groteske Despair sowie Menschen, die sich in ihr Königreich verirrt haben, in den Mittelpunkt stellen.

Nach Innen

Dream heuert fünf psychisch erkrankte an, um seine Schwester aus einer gefährlichen Situation, in die sie sich selbst hineinmanövriert hat, zu retten. Gezeichnet wurde diese Story von Bill Sienkiewicz, der hier sehr an sein Meisterwerk Elektra: Assassin erinnert.

Destruction: Auf der Halbinsel

Rachel, eine Archäologin, träumt immer wieder vom Ende der Welt. Sie wird zu einer Ausgrabung eingeladen, bei der Artefakte aus einer gefährlichen Zukunft gefunden wurden. Hier trifft sie auf Destruction, der sich selbst Joe nennt und der verhindert, dass diese Technologien von machtbesessenen Politikern genutzt werden können. Die Story wurde in Person von Glenn Fabry von einem der Absoluten Superstars der Comiczeichner Gilde illustriert.

Ewige Nächte

Diese Story wurde von Frank Quietly gezeichnet und ist Destiny gewidmet. Der Leser erfährt, dass Destiny mit einem Buch verbunden ist, das das Universum – alles, was geschehen ist, geschehen wird jedem , dem man je begegnet ist, über den man etwas gehört hat oder niemals gehört hat, zum Inhalt hat. Natürlich kann es sich bei Destiny nicht um einen Protagonisten im eigentlichen Sinne handeln.

Gaiman hat auf Anfrage immer wieder betont, dass er einmal zu den Ewigen zurückkehren wird. Mit dem vorliegenden Band hat er das getan und sich gleichzeitig die Möglichkeit verschafft, mit Künstlern zusammenzuarbeiten, die der ersten Riege der Zeichner Szene angehören.
Es ist zu empfehlen, diesen Band erst zu lesen, wenn man sich im Sandman Universum bereits auskennt. Beherzigt man dies, gewinnt man neue Erkenntnisse über Dream und seine Verwandten.
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Sandman: Traumjäger

Beitragvon Jameson » Di 29. Jun 2010, 11:55

Sandman: Traumjäger

Ein Fuchs und ein Dachs schließen eine Wette ab. Sie wollen einen Mönch aus seinem Kloster vertreiben. Nachdem sie mit ihrem Vorhaben gescheitert sind, verliebt sich die Füchsin in den Mönch, während der Dachs Rache schwört.
Die Füchsin belauscht ein Gespräch zwischen Dämonen, die den Mönch über seine Träume töten wollen.
Die Füchsin beschließt, alles zu riskieren, um ihren geliebten Mönch zu retten.

Bei der vorliegenden Story handelt es sich um eine Anthologie. Als Gaiman auf sein Sandman Gesamtwerk zurückblickte, stellte er zu seinem eigenen Erstaunen fest, dass es keine japanische Story vorweisen konnte. Also beschloss Gaiman zum 10. Jahrestag von Sandman in Abstimmung mit Karen Berger ein japanisches Volksmärchen, das erstaunliche Parallelen zum Sandman Universum verfügte, als Basis für einen Sandman Roman zu nehmen und umzuschreiben. Darüber hinaus bot sich Gaiman die Gelegenheit, mit Yoshitaka Armano zusammenzuarbeiten, der den Roman illustrierte.
Erst später wurde dieser Roman erfolgreich und mit viel Einfühlungsvermögen von Gaimans langjährigem Standardpartner P. Craig Russell für die Neunte Kunst adaptiert.
Die Story selbst ist sorgsam aufgebaut, so dass der Spannungsbogen langsam, aber doch kontinuierlich, gespannt wird. Hierfür nutzt Gaiman das Stilmittel der Rückblenden, aber auch überraschende Wendungen, die den Leser mitnehmen und fesseln.
Es zeigt sich einmal mehr, wie sehr und wie deutlich sich Dream von den Menschen distanziert. So bleibt es konsequenterweise nur bei einer Andeutung eines Happy Ends.
Das Essentielle eines Märchens ist es, dass die richtigen Lehren daraus gezogen werden. Dream ist sich sicher, dass alle etwas gelernt haben, besonders der Mönch. Auch hier bleibt es unklar, ob auch der Mönch etwas gelernt hat.
Wer seine Sandman Sammlung komplettieren möchte, darf weder den illustrierten Roman noch die Comic Adaption in seiner Sammlung missen. Immerhin wurde diese Story für einen Hugo Award nominiert und hat einen Eisner Award gewonnen.
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Sandman # 1

Beitragvon Jameson » Mo 5. Jul 2010, 15:05

Sandman, Band 1: Präludien & Notturni

Im Jahr 1916 gelangt Roderick Burgess in den Besitz der Magdalena Grimoire. Burgess möchte mit dieser mystischen Schrift Death aus der Welt verbannen. Stattdessen nehmen sie auf mystische Art und Weise Dream in Gewahrsam. Das Ergebnis hiervon ist die Schlafkrankheit, die sich über die Welt ausdehnt.
1947 stirbt Burgess und vererbt sein Wissen um seine Geheimorganisation seinem Sohn, der sich mehr und mehr für Dream, der auch Morpheus genannt wird, interessiert. Weitere 41 Jahre später befreit ein Assistent von Burgess Morpheus zufällig und unfreiwillig aus seinem Gefängnis. Morpheus sucht Burgess in einem Traum auf und erfährt, dass seine mystischen Artefakte, der Helm, sein Edelstein und sein Sack mit Traumsand bereits Jahre zuvor von Ruthven Sykes gestohlen wurden.
Morpheus rächt sich und bestraft Burgess mit ewigem Wachen. Burgess träumt, dass er wach sei, aber tatsächlich ist er in einem ewigen Albtraum gefangen.

Nach Jahren der Gefangenschaft ist Morpheus geschwächt. In seinem Königreich leben mittlerweile Kain und Abel, während Morpheus versucht, in sein Reich zurückzukehren. Morpheus weiß, dass er seine Artefakte benötigt, um seine Herrschaft und seine Kräfte wiederzuerlangen.

Mit der Hilfe von John Constantine findet Morpheus seinen Sack mit dem Traumsand wieder. Der Sack wurde Constantine von einer Ex-Freundin gestohlen, die wiederum mit einer Hand in dem Traumsand in unkontrollierten Träumen ewig gefangen ist. Sie ist sogar s abhängig geworden, dass sie ohne den Sand sterben würde. Morpheus kommt einer Bitte nach und schenkt Rachel ewige Träume von Liebe, so dass sie schmerzlos in den Tod übergehen kann.

Die Suche nach seinem Helm führt Morpheus in die Hölle. Dort muss er sich mit Luzifer und anderen Dämonen auseinandersetzen. Choronzon, ein Dämon, fordert Morpheus zu reinem Duell um den Helm heraus, das Morpheus gewinnt. Luzifer schört Rache. Er will Morpheus eines Tages vernichten.

Dr. Destiny entkommt aus Arkham Asylum. Gegenüber Scarecrow enthüllt er seinen Plan, die Welt zu versklaven. Hierfür benötigt er den Edelstein, den auch Morpheus sucht. Dieser befindet sich im Besitz der Justice League. Als ihn Morpheus vorfindet, hat ihn Dr. Destiny bereits magisch manipuliert, so dass die Kräfte, die durch seinen Einsatz frei werden, gegen Morpheus richten, der dadurch ohnmächtig wird. Dr. Destiny stellt fest, dass der Edelstein nun über noch mehr Macht verfügt.

Im All Nite Diner kommen verschiedene Menschen zusammen, die ihren eigenen Träumen, Hoffnungen und Erwartungen ans Leben nachhängen. Als Dr. Destiny dort erscheint, gibt er ihnen Träume, dass ihre Träume wahr werden. Doch nach und nach offenbart es sich, dass nicht nur die Gegend um das Diner von Gewalt und Verbrechen heimgesucht werden. Auch die Besucher des Diners töten sich gegenseitig.

Dr. Destiny gelingt es, seinen Einfluss mehr und mehr auszudehnen. Morpheus stellt Dr. Destiny, aber er kann den Edelstein erst berühren, wenn Dr. Destiny die Veränderung an dem Stein rückgängig gemacht hat. Doch der Versuch, Morpheus zu töten, erweist sich als Boomerang. Morpheus erhält seine Macht vollständig zurück und kann Dr. Destinys Einfluss auf die Träume der Menschheit rückgängig machen. Anschließend bringt er ihn nach Arkham Asylum zurück.

Als Morpheus niedergeschlagen Tauben im Washington Square Park im Greenwich Village füttert, besucht ihn seine Schwester, Death. Sie ist wütend und enttäuscht, dass er sich nicht bei ihr zurückgemeldet hat. Doch allzu viel Zeit kann sie nicht mit ihm verbringen, weil sie ihrer Arbeit nachgehen muss und Seelen nach dem Tod ihrer endgültigen Bestimmung zuführt. Als Dream sieht, mit welchem Enthusiasmus seine Schwester ihren Aufgaben nachkommt, erinnert sich Morpheus seiner eigenen Bestimmung, seinen Aufgaben und seiner Verantwortung.

Der Titel des ersten Sammelbandes, Präludien und Notturni, sind Begriffe, die der Musik entliehen sind. Beide Begriffe sind der lateinischen Sprache entliehen und bedeuten Vor-Spiele (Präludien) und Nachtstücke (Notturni).

Allen 10 Sammelbänden sind als Motto je ein faktisches und je ein fiktives Zitat aus den Sandmann-Geschichten vorangestellt.

So geht auch der Titel der ersten Story, Schlaf der Gerechten, auf ein Bibelzitat zurück. Auffallend ist, dass sich Gaiman durchgängig in verschiedenen Kulturen sowie in der Geschichte bedient. Dies unterstreicht die Omni-Präsenz der Ewigen im Allgemeinen und Dreams im Besonderen. Daher verfügt auch Morpheus über viele verschiedene Namen in den Kulturen. Sandman wird er eher selten genannt.

Die in der ersten Story angesprochene Schlafkrankheit ist ein reelles Phänomen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das auch in dem Film Zeit des Erwachens mit Robin Williams thematisiert wird. Gleichzeitig werden hier erstmals die Ewigen erwähnt, die der Leser im weiteren Verlauf des Sandman Runs noch näher kennen lernen wird.

Auch die Fähigkeit, Menschen wie Gegner mit einer Handvoll Sand in Schlaf zu versetzen, kennt man als Leser aus traditionellen Kindergeschichten. Gerne bedient sich Gaiman auch reellen Personen. So träumt Mort Notkin beispielsweise von Marilyn Monroe, Elvis Presley und John Wayne.

In der zweiten Story bedient sich Gaiman mit Kain und Abel im DC-Universum. Kain fungierte, wie es der Titel andeutet, als Gastgeber der Serie „House of Mystery“ und Abel als Hausherr der „House of Secrets“. Es sind die Kain und Abel, die als Nachkommen von Adam und Eva geboren wurden-. Dabei erschlug Kain Abel wegen einer Meinungsverschiedenheit.

Gleichzeitig wird Morpheus in dieser Story erstmals als Herr der Geschichten bezeichnet. Ebenso erhält sein Reich erstmals einen Namen und wird Traumzeit genannt. Dabei gelten die Tore aus Horn und Elfenbein als Eingangspforte zur Traumzeit. Auch dies ist der römischen und griechischen Mythologie entnommen, denn aus dem Tor aus Horn strömen wahre und aus dem aus Elfenbein falsche Träume in die Welt.

Auch das Arkham Asylum ist dem DC-Universum entnommen. Vordringlich Batmans Gegner pflegen dort einzusitzen. Auch Lucien, der die Rolle des Haushofhalters übernimmt, war ursprünglich Gastgeber der DC-Serie Geschichten aus dem Geisterschloss, die es aber nur auf 3 Ausgaben gebracht hat.

John Constantine ist auch kein Unbekannter. Ursprünglich wurde dieser Charakter von keinem Geringeren als Alan Moore erdacht und hatte seinen ersten Auftritt in Swamp Thing. Mittlerweile ist er längst Protagonist der Ongoing-Serie Hellblazer geworden. Eben dieser Constantine leidet seit längerer Zeit an Albträumen, weil viele seiner Freunde wegen seinem Wirken als Magier und Detektiv starben.

Gaiman erwähnt etwas überraschend auch das Marvel-Universum und erwähnt den von Stan Lee und Jack Kirby erschaffenen Silver Surfer.

Spätestens im dritten Kapitel sollte jeder Leser verstanden haben, dass Morpheus die Welt beeinflussen und verändern kann. Im Fortlauf des Sandman Runs wird er auch öfter Gestalter genannt.

In der Hölle begegnet Morpheus Luzifer, dem Herrscher der Hölle. Dort erhält er auch mit König des Reichs der Nachtmahre eine neue Bezeichnung. Nachtmahr ist ein veralterter Ausdruck für Albtraum.

Auf Nada und ihre Geschichte wird Gaiman noch im zweiten und vierten Sammelband ausführlich eingehen. Gleichzeitig findet in dieser Story Despair erstmals Erwähnung.

Gerne bedient sich Gaiman auch bei Shakespeare. Im ersten Sammelband greift er auf Macbeth zurück. Dies betrifft nicht nur den Titel „Sound and Fury“, sondern auch einen Monolog und Julius Caesar, der in den Iden des März durch 23 Dolchstiche umgebracht wurde. Auch Destiny hatte vor Sandman bereits Auftritte im DC-Universum. So ist er aus Elviras House of Mystery, Superman und The New Teen Titans bekannt.

Es ist fast schon erstaunlich, dass Death erst im 8. Kapitel ihren Auftritt hat. Man hätte sie eigentlich schon früher erwartet. Gestorben sind ja schon genug. Ungewöhnlich ist auch, dass sich Morpheus und Death treffen, ohne über ihre Galerien, wie sonst bei den Ewigen üblich, Kontakt aufzunehmen.

Jeder Leser von Sandman wird am Ende des Werkes feststellen, wie Gaiman bereits hier die Basis für seinen Run über 75 Ausgaben legt und hierauf konsequent aufbaut. Dabei erfährt der Leser jeweils genau das, was er benötigt, um der Story inhaltlich folgen zu können, um wiederum am Ende zu erkennen, dass genau dieser Fortlauf der Story von Anfang an erkennbar war. Ebenso deutlich wird, dass Sandman kein oder nur ein sehr entferntes Verhältnis zu den Menschen hat. Nur zu einem Menschen wird er so etwas wie eine Freundschaft aufbauen und sich sogar regelmäßig mit ihm treffen. Auch John Constantine verdient sich so etwas wie Wohlwollen bei ihm.

Sandman ist für jeden ernsthaften Comicleser und –sammler ein Muss.
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Sandman # 10

Beitragvon Jameson » Mo 16. Aug 2010, 09:41

Sandman, Band 10: Das Erwachen

Ein Bote informiert die Ewigen, dass sie Totenwache am Sarg ihres Bruders halten sollen. Zu der Trauerfeier kommt auch der eine oder andere Sterbliche. Bei den Ewigen fehlt Destruction.
Während die Trauerfeier im Gange ist, ist der Nachfolger Dreams bereits aktiv und trifft erste Entscheidungen.

Mit dem vorliegenden Band schließt Panini die erste Komplettveröffentlichung von Sandman in deutscher Sprache ab.
Gaiman bleibt seiner bisherigen Vorgehensweise treu. Die wirklich wichtigen Nachrichten erhalten die Ewigen nicht über ihre Galerie, sondern persönlich. Ein Bote überbringt die Botschaft des Todes von Morpheus und lädt die Familie zur Totenwache ein.
Der Nachfolger Dreams, Daniel. besteht darauf, nicht Morpheus genannt zu werden. So unterstreicht Gaiman noch einmal deutlich, dass es tatsächlich einen neuen Sandman gibt. Beeindruckend erzählt und gezeichnet ist dabei das Treffen der Ewigen auf der Kreuzung, was schon eine eigene Symbolik hat.
Die Trauerfeier selbst ist von einem Stelldichein von Nebencharakteren der Serie geprägt, wodurch sich auch der Leser nicht einem gewissen nostalgischen Gefühl entziehen kann. Auch Gaiman und Zulli sind ebenso anwesend wie einige Charaktere des DC-Universums. Hierzu zählen Superman, Batman und Martian Manhunter.
Auffallend ist, dass die Trauerreden der Ewigen eher neutral gehalten sind. Bis auf Delirium, die ihren Bruder vermissen wird, weiß keiner etwas wirklich Gutes über Morpheus zu sagen. Die reden selbst beleuchten Sandman als Charakter, aber auch die Serie, aus verschiedenen Perspektiven. Dies verdeutlicht einmal mehr, wie komplex Sandman als Charakter, aber auch als Comic-Serie zu betrachten ist. Auch hier achtet Gaiman darauf, dass die Leser miteinbezogen werden. Die Rede von Death wird nicht in Sprechblasen, sondern in Captions abgedruckt. Dadurch geraten die Bilder mehr in den Vordergrund, die erzählen, wie Morpheus Leichnam in einem Boot auf seine letzte Reise geschickt wird. Auffallend ist, dass Death diesmal etwas Rotes trägt und somit von ihrer traditionell schwarzen Kleidung abgewichen wird.
Die spärlichen Dialoge und noch mehr das Artwork tragen die melancholische Stimmung der Trauerfeier zum Leser und es scheint fast so, als sei auch Gaiman ein wenig traurig, dass er nun von seiner Serie Abschied nehmen muss.
Mathew, der Rabe und einer der Diener Morpheus, will nicht glauben, dass ein Herr verstorben ist und wird ausgerechnet von Morpheus Nachfolger getröstet. Gaiman legt mit den ersten Entscheidungen und Aussagen des neuen Dreams Wert, dass er gütiger als Morpheus auftritt. Mathew selbst versinnbildlicht eine der fünf Phasen der Trauer, nämlich das Leugnen.
Destruction dagegen geht seine eigenen Wege. Er besucht Daniel und vergewissert sich so, dass die Familie der Ewigen in ihrer Konstellation weiter bestehen wird und dass mit Daniel ein guter Nachfolger für Morpheus gefunden wurde. Sein Auftritt als „harmloser Wanderer“ erinnert ein wenig an Odin, der sich in einer ähnlichen Rolle oft nach Midgard begeben hat.
Die ersten drei Stories des Abschlussbandes sind so beeindruckend erzählt, dass sie ein Stück Comicgeschichte innerhalb einer wunderbaren Serie bilden.
Da treten naturgemäß die übrigen Stories des vorliegenden Bandes ein wenig in den Hintergrund. Doch auch hier gibt’s eine Ausnahme.
Hob Gadling, einer der wenig sterblichen Freunde Morpheus, und auch schon Jahrhunderte alt, erscheint ein wenig lebensmüde., Auf einem Mittelaltermarkt tritt er herablassend, mürrisch und fast schon arrogant auf. Fast schon resignierend zeiht er sich zurück und trifft auf Death. Sie beginnen ein Gespräch.
Erst als Hob im Gespräch mit Death dem Tod buchstäblich ins Auge blickt, gewinnt er seinen schon verloren geglaubten Lebensmut zurück. Dabei lässt Gaiman geschickt aus, was Hob nach seinem Tod erwarten würde. Über Death erfährt man als Leser, dass es etwas ist, was jeder erleben muss,
Mit diesem Band setzt Gaiman nicht nur einen würdigen Abschluss, sondern setzt einen weiteren Meilenstein.
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Sandman # 2: Das Puppenhaus

Beitragvon Jameson » Mo 30. Aug 2010, 08:27

In einer Wüste an einem Ort, an dem einmal eine sagenumwobene Stadt gestanden haben soll, erzählt ein Großvater seinem Enkel, wie Nada, eine Königin, nach einem geeigneten Mann suchte und schließlich Morpheus fand. Sie verliebte sich in ihn und er bot ihr an, dass er sie zu seiner Frau macht oder endlos leiden wird.

Während Rose Walker in Florida in eine neue Wohnung in einem Haus mit skurrilen Mitmietern zieht und sich Morpheus aufgrund eines Traumstrudels um ihr Wohlergehen sorgt, hat der Korinther, ein Serienkiller erneut zugeschlagen. Er plant, ein Treffen von Serienkillern zu organisieren.
Unterdessen versucht Rose, ihren vermissten Bruder zu finden, der in einem Keller von Brute und Glob gefangen gehalten wird. Morpheus erfährt, dass sie die Träume des Jungen missbrauchten, um ihn zu quälen. Morpheus ist wütend.

In 1389 lernt Morpheus Hob Gadling kennen. Er behauptet, dass Menschen nur deswegen sterben, weil dies von ihnen erwartet wird. Er will dies jedoch nicht. Morpheus verabredet sich mit dem Mann zu einem erneuten Treffen in 100 Jahren.
So finden ihre Treffen regelmäßig alle 100 Jahre statt. Dabei lernen sie William Shakespeare kennen, der sich darüber beklagt, dass er gerne talentierter wäre. In 1989 schließen sie Freundschaft.

Der Konvent der Serienmörder findet in Georgia statt. Dort befindet sich auch Rose Walker, die immer noch ihren vermissten Bruder sucht. Als sie den Korinther am Aufzug treffen, erschrickt sich Gilbert und gibt Rose einen Zettel. Den Namen auf dem Zettel soll sie in einem Notfall laut rufen. Als sie von einem Serienkiller auf ihrem Zimmer angegriffen wird, ruft sie Morpheus herbei, der sie rettet. Anschließend lässt Morpheus den Korinther verschwinden, der als Albtraum erschaffen wurde, um den Menschen Angst einzuflößen. Doch er nutzte Morpheus Gefangenschaft, um ein Eigenleben zu entwickeln. Gleichzeitig warnt Morpheus die Serienkiller, während Rose und Gilbert Jed finden, der in ein Krankenhaus eingeliefert wird.

Wieder in Florida fühlt sich Rose einsam, da sich ihre Mutter und Großmutter in England und Jed nach wie vor im Krankenhaus befinden. Morpheus bemerkt, dass Rose e9in Traumstrudel ist, der zu einer immer größeren Gefahr für das Träumen heranwächst. Morpheus hat keine andere Wahl, als sie umzubringen.

In einem Traum erklärt Morpheus Rose, dass er sie töten muss. Als Traumstrudel gefährdet sie die ganze Welt und es ist eine von Morpheus Aufgaben, so etwas zu verhindern. So muss Morpheus auch das Angebot Gilberts ablehnen, sich für sie zu opfern. Doch dann meldet sich das Traumbild von Unity Kinkaid zu Wort. Sie erklärt, dass sie eigentlich zum Traumstrudel werden sollte, wenn sie nicht an der Schlafkrankheit leiden würde. Schließlich stirbt Unity und Morpheus weiß, dass Roses Familie genug erleiden musste. Also sorgt er dafür, dass Jed erwacht.
Morpheus reist zu Desire. Er weiß, dass er bzw. sie sich in seine Angelegenheiten eingemischt hat und dass er das nächste Mal die Konsequenzen tragen muss.

Gleich zu Beginn ist Morpheus ältester Bruder, Destiny, zu sehen. Die eigenartige Szenerie einer Versammlung könnte die Beerdigungsfeier des Abschlussbandes sein.
Erstmals werden im ersten Teil auch „gewisse Kräfte“ angedeutet, die Morpheus geschwächt haben. Gaiman hat mal angedeutet, dass er hierüber mal eine Kurzgeschichte schreiben wird.
Die im Laufe dieser Story angesprochene „Großmutter Tod“ ist natürlich Death, Dreams ältere Schwester. Auch Kain und Abel haben einen erneuten Auftritt. Diesmal streiten sie wegen ihrer Opfergaben.
Erstmals finden auch die Ewigen als Dreams Familie Erwähnung. Sie werden zwar als Götter verehrt, aber sie sind keine, sondern vielmehr Personifizierungen menschlicher Prinzipien. Daher muss man auch nicht an sie glauben, damit sie bestehen können.
Warum Menschen Ewige nicht lieben könne, wie im Fall von Nada und Morpheus, wird nicht erklärt, aber die Handlung liefert die Erklärung per se. Menschen sind sterblich, die Ewigen sind es nicht. Daher liegt die Erklärung auf der Hand.
Erstmals wird auch der eigentlich größte Widersacher Dreams erwähnt. Es handelt sich um Desire. Er wird zumindest mittelbar auch für den Tod Morpheus verantwortlich sein.
Wenn die Ewigen miteinander sprechen wollen, nehmen sie über ihre Galeriebilder Verbindung auf. Hier werden erstmals die Symbole der Ewigen gezeigt (Ankh = Death, Helm = Dream, Lächeln = Desire, Hakenring = Despair, Kringel = Delirium). Ein Bild ist leer. Es steht für das verschwundene Familienmitglied Destruction. Diesem widmet Gaiman noch einen eigenen Band.
Das ebenso angesprochene Fiddlers Green ist eine irische Seemannslegende über einen idyllischen Ort. Gaiman nutzt diese Legende gern für das Traumland.
Auch die hier erwähnten Gütigen werden noch eine gewichtige Rolle im weiteren Verlauf der Handlung spielen.
Mit den Mitmietern von Rose Walker, Ken und Barbie, sind tatsächlich die Martel-Puppen gemeint. Sie stehen für die klassischen Geschlechtsrollenbilder von Mann und Frau. Auch Matthew, ein Diener und Vertrauter Morpheus, der einst ein Mensch und nun ein Traum ist, hat seinen ersten Auftritt. Dieser Charakter basiert auf einer Figur des DC-Universums aus einer Swamp Thing Story. Seine Umwandlung in einen Raben wurde in Swamp Thing # 84 mit einem Gastauftritt Morpheus beschrieben.
Selbst Morpheus Kräfte unterliegen gewissen Beschränkungen. Um jemanden in der Traumzeit zu finden, muss er ihn sehen, auch wenn dies durch die Augen seines Dieners geschieht.
Das dritte Kapitel bedient sich sehr charmant im DC Multiversum. Es sind Anspielungen auf die Watchmen, den Joker und auch Rorschach vorzufinden. Auch Lady Constantine hat einen Gastauftritt.
Gaiman greift auch auf eine klassisches Motiv vieler Fantasy Geschichten zurück, wonach die Erde einst von Elfen, Geistern und ähnlicher Wesen bewohnt war. Diese Wesen haben sich allerdings zurückgezogen.
Wunderbar ist auch die Hommage an William Shakespeare, was sich als roter Faden der Serie entwickeln wird.
Fraglich ist, was Morpheus genau meint, als er Desire droht, das nächste Mal die Konsequenzen seines Handelns tragen zu müssen. Offenbar gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, wonach sich die Ewigen nicht gegenseitig töten dürfen.
Der Korinther hat als zwischenzeitlich seine eigene Miniserie erhalten, die von Darko Macan geschrieben und von Danijeöl Zezelj gezeichnet wurde.
Bestechend ist erneut Gaimans bis ins Detail ausgeklügelter Aufbau der Story, die in einem großartigen Finale mündet.
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Sandman # 3

Beitragvon Jameson » Mo 18. Okt 2010, 08:22

Während Band 1 den Grundstein für Sandman gelegt hat und Band 2 gezeigt hat, wie sich Gaiman des Graphic Novel Formats bedient, beinhaltet Band 3 mit dem Titel Traumland Kurzgeschichten aus dem Sandman Universum. Wie so oft bei Gaiman sollte man diese Kurzgeschichten in den Kontext von Sandman stellen, um ihre Bedeutung völlig zu erkennen. So dienen diese Kurzgeschichten dazu, die Welt des Sandmans zu erschließen.
Folglich zeigen die ersten drei Kurzgeschichten Facetten Sandmans, während die vierte und letzte Story des Bandes dem Leser Sandmans Schwester, Death, näher bringt.

Kalliope offenbart, dass Sandman eine Liebesaffäre mit einer Sterblichen hatte und wie sehr ihn seine Gefangenschaft während des größten Teils des 20. Jahrhunderts verändert hat.

Der Traum von 1000 Katzen beschreibt Morpheus Herrschaft über alle Träume aller Lebewesen, nicht nur über die der Menschen.

Ein Sommernachtstraum wirft die Theorie auf, dass die Stücke Shakespeares nicht von ihm, sondern von Christopher Marlowe geschrieben wurde. Hamnet, Shakespeares Sohn, zerstreut diese Theorie geschickt.

Fassade handelt dagegen von Death, die nicht ohne Mitleid ist. Gaiman nähert sich dem DC Multiversum der Superhelden und beschreibt das tragische Schicksal von Element Girl.

Wie man dies als Leser von Kurzgeschichten kennt, können diese völlig losgelöst von der Sandman Serie gelesen und verstanden werden. Dennoch ist es sinnvoll und dient dem tieferen Verständnis der Geschichten, wenn man sie in den Zusammenhang zur Serie stellt.

Gleich in seiner ersten Kurzgeschichte bedient sich Gaiman der griechischen Mythologie. Kalliope ist eine der neun Musen und bedeutet „mit der schönen Stimme“. Sie ist die Muse der Dichtung, Rhetorik, Wissenschaft und Philosophie. Im Verlauf dieser Story wird kurz Bezug auf Orpheus genommen, dem Gaiman aber noch ein eigenes Kapitel widmen wird.
Auch die bei einem Brand völlig zerstörte Bibliothek von Alexandria findet Erwähnung.

In seiner zweiten Kurzgeschichte tritt Dream einmal mehr in der Gestalt auf, die sein Gegenüber von ihm erwartet. Diese Wandelbarkeit Dreams zieht sich als roter faden durch die komplette Serie.

Im Sommernachtstraum zitiert Gaiman sehr viel aus dem gleichnamigen Stück. Dies reicht sogar so weit, dass er mit William Kemp und Robert Armin auf historische Persönlichkeiten aus Shakespeares Schauspielertruppe zurückgreift. Die in dieser Story angedeutete Begegnung von Dream und Death wurde bereits in Band 2 in Männer von Glück und Geschick ausführlich geschildert.

In der abschließenden Story ist das feinfühlige Artwork von Colleen Doran zu erwähnen. Nachdem Element Girl vor allem in den 60er Jahren zu einem wichtigen Bestwandteil des Supporting Cast gehörte und ihre Auftritte in Serien wie Action Comics, Batman and the Outsiders und Justice League Europe hatte, geriet sie im Laufe der Zeit doch in Vergessenheit, bis sie von Gaiman für seine Story wieder entdeckt wurde.

Gaiman beweist einmal mehr, dass er bei Sandman einen masterplan verfolgt und dass er Stories auf höchstem Niveau in unterschiedlichsten Facetten abliefern kann.
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Sandman # 4

Beitragvon Jameson » Mo 1. Nov 2010, 10:57

Destiny, Familienmitglied der Ewigen, geht in seinem Garten spazieren, als er plötzlich auf die drei Hexen trifft. Diese Hexen prophezeien, dass der älteste Krieg wieder beginnt. Destiny hat darauf hin keine andere Wahl, als ein Familientreffen einzuberufen. Den Ewigen ist das Treffen sichtlich unangenehm, insbesondere Dream. Desire kann es sich nicht verkneifen, Dream wegen seiner Vergangenheit mit Nada und Kalliope zu provozieren. Death stellt Desire nach dem Treffen zur Rede, doch zu Dreams Überraschung gibt sie Desire sogar teilweise Recht. Dream hat Nada zu schlecht behandelt, nur weil sie ihn zurückgewiesen hat. Da Sandman Death vertraut, beschließt er in die Hölle zu gehen, um Nada dort herauszuholen. Diese Entscheidung Dreams setzt die Ereignisse in Gang, die die Hexen vorausgesagt haben.

Die Zeit des Nebels ist zwar in Band 4 enthalten, aber ist teilweise als zweites Werk Gaimans in der Sandman Serie entstanden. Die Handlung ist so abwechslungsreich und voll überraschender Wendungen, dass ich nichts weiter von der Handlung vorwegnehmen möchte.
Gaiman offenbart einmal mehr das komplette Spektrum seiner Serie. Der Plot beginnt im Garten Destinys, findet in der silbernen Stadt der Engel statt und endet in der Hölle. Gaiman versteht es erneut, mit Mythologien, mystischen Figuren und Gottheiten zu spielen und so das Allumfassende von Sandman zu unterstreichen.
Gleichzeitig muss sich Dream nach dem Gespräch mit Death nicht nur für seine Taten schämen, er muss auch zugestehen, dass sich sein Abstand zu den Menschen verringert. Man kann sogar sagen, dass er dadurch selbst mehr und mehr zu einem Menschen, zu einem Sterblichen wird. Dieser Aspekt der Serie entwickelt sich mehr und mehr zum roten Faden. So bereut es Sandman mehr und mehr, dass er Nada zur ewigen Folter in die Hölle verbannt hat. Ein ähnliches Verhalten wird Morpheus noch einmal in Bezug auf seinen Sohn an den Tag legen.
Als Morpheus dann in der Hölle eintrifft, muss er feststellen, dass selbst Luzifer eine Schwäche hat. Er ist amtsmüde und möchte die Hölle nicht mehr regieren. Morpheus kann es kaum realisieren, als ihm Morpheus die Hölle und damit symbolisch das Eigentum an der Hölle übergibt. Morpheus wirkt unentschlossen. Er hat eigentlich kein Interesse an der Hölle, genauso wenig wie Nada an ihm hat, die ihn erneut zurückweist. Schließlich sieht er eine gute Möglichkeit, den Schlüssel zur Hölle Gott zu übergeben. Doch hinter Luzifers Vorgehen steckt im Grunde nichts Anderes als die subtile Umsetzung und Realisierung seines Plans, Morpheus zu vernichten.
Wieder einmal greift Gaiman auf die Themen Gefangenschaft und Freiheit zurück. Diesmal betrifft dies aber nicht Morpheus, sondern Nada. Selbst Luzifer kann man als Leser von diesem Leitthema nicht freisprechen. Er fühlt sich selbst als Gefangener der Verantwortung seiner Regentschaft über die Hölle. Erst sein Abdanken gibt ihm die ersehnte Freiheit wieder. Dieses wird zeichnerisch wunderbar in einem einzigen Panel eingefangen, als sich Luzifer entspannt, frei und lächelnd zurücklehnt. Allein dieses Panel rechtfertigt nicht nur den Kauf des vorliegenden Bandes, sondern zeigt darüber hinaus, was Comic ausmacht. Es ist das Zusammenspiel zwischen Autor und Zeichner, das hier von einzigartiger Perfektion ist.
Gaiman bedient sich eines weiteren Kniffs, um ein weiteres Thema dem Leser nahe zu bringen. Hierfür bedient er sich Edwin Paine. Er kehrt aus der Hölle zu der Schule zurück, in deren Dachgeschoss er ermordet wurde. Er denkt, dass er dort mit seinen sterblichen Überresten gefangen ist, aber ein Mitschüler überzeugt ihn, dass es Teil des Erwachsenwerdens ist, dass man eben nicht immer der Rolle treu bleiben muss bzw. kann, die ihm von Dritten angedichtet oder auch zugeteilt wird.
Die Anwesenheit Lokis ist bezeichnend für den Fortlauf der Serie. In den folgenden Bänden wird hierauf noch Rückbezug genommen.
Die Zeit des Nebels umfasst insgesamt 8 Ausgaben, die von unterschiedlichen Künstlern in unterschiedlicher Zusammensetzung gezeichnet wurden.
Auch dieser Band stellt unter Beweis, dass Sandman zu den herausragenden Werken der Neunten Kunst gehört.
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Sandman # 5

Beitragvon Jameson » Mo 1. Nov 2010, 11:01

Sandman, Band 5: Über die See zum Himmel

Handlung: Barbie und Wanda gehen in New York shoppen. Barbie erzählt dabei, dass sie der seit Trennung von ihrem Freund, Ken, also seit 2 Jahren nicht mehr geträumt hat. Plötzlich sehen sie einen riesigen Hund. Barbie erkennt ihn als Martin Tenbones und ruft ihn. Bevor der Hund von Polizisten erschossen wird, nennt der Hund sie „Prinzessin“ und übergibt ihr das Porpentine, ein Amulett. Barbie erinnert sich plötzlich an die Kinder des Kuckucks als Gegner.
Gleichzeitig beobachtet Sandman, dass ein Riff versinkt. Er misst diesem aber keine Bedeutung bei.
Hazel sucht Barbie auf. Sie ist schwanger und bittet Barbie um Rat. Sie muss dies schließlich ihrer Freundin, Foxglove, beibringen. Als die Hausbewohner schlafen, sorgt George für schlechte Träume, indem er Krähen aus seiner Brust fliegen lässt. Thessally bemerkt, dass eine Krähe neben ihr am Bett sitzt. Sie tötet sie und sucht mit einem Messer bewaffnet George auf.
Barbie befindet sich mittlerweile in ihrem Land, das sie retten soll.
Thessally ruft die anderen Bewohner zusammen. Sie gehen zu Barbie, die schläft. Sie tragen Barbie in Georges Wohnung und Thessally erklär ihnen die Situation. Mit einer Beschwörung des Mondes gelangen Thessally, Foxglove und Hazel in Barbies Traum, während Wanda den toten George bewacht. Thessally hat ihm die Gesichtshaut abgezogen und an die Wand genagelt. So kann sie ihn nach wie vor verhören.
Barbie und ihre Begleiter müssen eine Eiswüste durchqueren. Sie gelangen in einen Wald, in dem sie Prinado verlieren und später tot auffinden. Schließlich müssen sie vor den Tweeners fliehen, was ihnen dank des Porpentines auch gelingt. Bevor sie zum nächsten Dorf gelangen, will Luz Hilfe holen. Er kehrt aber mit den Soldaten des Kuckucks zurück. Wilkinson wird von den Soldaten umgebracht und Barbie gefangen genommen.
Wanda sorgt sich derweil um Barbie und redet mit George darüber.
Barbie wird zum Kuckuck gebracht. Beim Kuckuck handelt es sich um eine andere Barbie, die von allen beschützt wird. Thessally, Hazel und Foxglove kommen hinzu. Thessally tötet Luz, während Barbie das Porpentine vernichtet.
Nun taucht Sandman auf und löst das Land nach und nach auf.
Über New York braut sich ein gewaltiger Hurrikan zusammen.
Barbie hat bei Sandman eine Gunst frei. Sie entscheidet sich gegen den Ratschlag ihrer Freunde dafür, dass er sie alle nach heil nach Hause zurückbringt, während der Kuckuck entkommen kann. Sandman verspricht jedoch, dass er sie nie wieder angreifen wird. Sandman macht keinen Hehl daraus, dass er auf Thessally wegen des unerlaubten Eindringens in diese Welt wütend ist.
Als sie wieder in New York ankommen, ist das Haus durch den Hurrikan zerstört. Barbie braucht einige Zeit, um zu rekonstruieren, was geschehen ist. Sie weiß zunächst nur, dass Wanda bei dem Einsturz des Hauses umgekommen ist. Schließlich geht sie zur Beerdigung Wandas in Kansas, auf der sie nicht wirklich willkommen ist.

Fazit: Wieder einmal legt Gaiman ein kleines Meisterwerk vor. Gleich zu Beginn verdeutlicht er durch den Schwarz-Weiß-Kontrast der Panels, dass es 2 Welten gibt. Zunächst gilt, dass nichts so ist, wie es scheint. Auch die so genannte reale Welt ist mit ihren Agenten des Kuckucks und einer Hexe nicht real im herkömmlichen Sinne. Ferner ist Wanda keine Frau und George kein zerknirschter Zeitgenosse, sondern ein Agent des Kuckucks. Auch bei Thessally handelt es sich nicht um eine frustrierte Jungfer, sondern um eine uralte Hexe.
Auch Gaimans Wortspiele würzen den Plot mit einer gewissen Ironie. Die Heldin heißt nicht umsonst Barbie. Sie ist natürlich blond und Ihr Ex-Freund heißt Ken. In der Traumwelt wird Murphy angebetet. Jener Murphy, der bei uns für die These berühmt wurde, dass alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Murphy steht dann auch kurz für Morpheus, was wiederum einer der vielen Namen Sandmans ist.
Meisterhaft konstruiert ist, wie sich die beiden Welten gegenseitig entsprechen, ohne sich wirklich zu beeinflussen. Die große Ausnahme ist der Hurrikan. So sterben Charaktere in beiden Welten und spiegeln sich so wider. Der Tod Wandas am Ende der Story entspricht dem Tod des Tantoblins zu Beginn, während die gewaltsam gestorbenen George und Wilkinson von Thessally zurückgeholt werden, um Auskunft zu geben.
Kontrovers aufgefasst wurde der Tod Wandas und Maisie Hills, die als Angehörige von sog. Randgruppen sterben (Wanda ist Transvestit und Maisie ist afroamerikanischer Abstammung). Doch dies ist nicht der Grund für ihren Tod. Gaiman ließ sie sterben, weil ihre Geschichte innerhalb des Plots erzählt war. Genauso, wie für die Traumwelt die Zeit vergangen war, so dass sie von Sandman aufgelöst wurde. Übrigens entspricht auch das Untergehen der Traumwelt dem Einsturz des Hauses in der realen Welt.
Der vorliegende Band trägt ebenso den Titel „Das Spiel in Dir“, der für den Plot viel aussagekräftiger ist, denn genau um dieses Spiel geht es zwischen Barbie und dem Kuckuck. Barbie muss sich entscheiden, welcher Mensch sie werden will. Sie kann sich für die Rache am Kuckuck entscheiden, aber sie wird im Gegenzug wohl für ewig in ihrer eigenen Traumwelt, die sie in sich trägt, gefangen bleiben. Sie entscheidet sich dafür, dass sie mit ihren Freunden unversehrt vom Sandman zurückgebracht wird. Der Kuckuck, der sich nur gemäß seiner Natur verhalten hat, darf wegfliegen. Auch er hat auf seine Art sein Spiel gewonnen. Die Bezeichnung „Kuckuck“ als Gegenspielerin Barbies ist natürlich nicht zufällig gewählt. Der Kuckuck hat sich in der Fantasiewelt Barbies eingenistet und hat es sogar geschafft, in dieser Welt Anhänger um sich zu scharen. Nicht umsonst wird Barbie von einem Freund verraten. In der Natur legt der Kuckuck seine Eier ebenso in fremde Nester, um seine Jungen von anderen Vogelarten groß ziehen zu lassen. Dabei geht er nicht unbedingt zimperlich vor und wirft schon mal Eier aus dem Nest, die seinen Jungen im Weg sein könnten. Die fremden Vögel nehmen die Jungen des Kuckucks an. Genauso wird der Kuckuck in Gaimans Story in der Fantasiewelt angenommen und sogar von einigen verehrt.
Panini hat mit Über die See zum Himmel nunmehr Band 5 veröffentlicht. Gewinner ist der Leser, der sich auf 5 weitere Sandman Bände freuen darf.
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