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Sonderkolumne zum 01. April

Sonderkolumne zum 01. April

Beitragvon Jameson » Mo 23. Nov 2009, 16:08

Quo vadis Marvel? Oder auch die Überraschungskolumne zum 1. April

In Spanien heißt der 1. April Dia de Inocentes und wird am 28. Dezember gefeiert. Die Scherze, die dort getrieben werden, sind weitaus übler als das, was bei uns am Tag der Narren üblich ist. Joe Quesada ist kubanischer Abstammung. Kuba und Spanien haben sprachlich betrachtet gemeinsame Wurzeln. Joe muss das mit dem 28. Dezember irgendwie verwechselt haben. Er begeht diesen Tag nicht einmal im Jahr, sondern das ganze Jahr hindurch. Diesen Zustand nennt man auch Marvel Comics.
Gemeinsam mit seinem Kumpel Brian Michael Bendis wurschtelt er an Marvel seit Jahren herum und führt so das Haus der Ideen immer näher an den Abgrund. Warum ich hier nicht auch die anderen Autoren nenne?
Natürlich habe ich als langjähriger Marvel-Leser erstklassige Verbindungen. Daher weiß ich, dass es die anderen Autoren gar nicht gibt. Egal, ob Brubaker, Fraction, Reed und wie sie alle heißen. Hinter allen verbirgt sich Bendis. Daher schreiben sie ja auch alle den gleichen Mist. Nur Tom DeFalco und Howard Chaykin sind echt. Daher werden ihre Serien ja auch klein und unbedeutend gehalten. Ach ja, Millar ist auch in gewissem Sinne eine eigenständige Person. Es handelt sich um einen misslungenen Klon von Bendis. Als man das erste Mal las, was Millar geschrieben hatte, erklärte man in einem geheimen Dokument das Klonen für fehlgeschlagen und beendet.
Damit Bendis nicht so große Schwierigkeiten hat, seinen Einheitsbrei zu schreiben, haben er und Joe einen Trick entwickelt. Wir Leser nennen diesen Trick Crossover. Die Anzahl der Crossover ist enorm hoch und immer noch steigend. Marvel hat auch mit Secret Wars die Crossover, wie wir sie heute kennen, erfunden. Geschrieben hatte dies vor über 20 Jahren Jim Shooter. Joe und Bendis sollten sich dieses Crossover ab und zu mal durchlesen, damit sie vielleicht lernen, die aktuellen Crossover von einer wirklich guten Crossover zu unterscheiden. Aber wahrscheinlich sind damit beide intellektuell überlastet.
Das war zu böse?
Nein, ich bewahre hier wirklich noch die Contenance. Man schaue sich doch nur mal eine Story wie Secret War an. Der Titel mag ja als Singular zu Shooters Klassiker noch gut gewählt sein, aber damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten – leider. Die Story ist langweilig, an der einen oder anderen Stelle komplett unlogisch und wenn Bendis gerade nichts einfällt, kommt es zu einem Kampf. Es wird also relativ häufig gekämpft. Von Avengers Dissambled, Civil War, The Initiative, World War Hulk und Secret Invasion will ich erst gar nicht reden. Secret Invasion sollte eigentlich für die nächste Zeit das letzte Crossover sein, aber warum geistert schon wieder Titel wie Dark Reign und War of Kings über die Flure Marvels? Richtig, Joe feiert mal wieder Dia de Inocentes und freut sich über Leser wie mich, die wie die Lemminge zum Comic-Shop pilgern und ihr sauer verdientes Geld dort belassen. Joe steigert seine üblen Scherze damit, dass er den Lesern verspricht, dass es für das Verständnis der Story des Crossovers vollkommen ausreicht, wenn man nur die Hauptserie liest. Tatsache ist, dass man meistens die Hauptserie weglassen kann und besser auf die Tie Ins zurückgreift, in denen die diffuse Handlung der Hauptserie erklärt wird.
Immerhin bringen uns diese Crossover eine Inflation an Rächer Serien. Waren die Rächer einst eine mit Augenmaß getroffene, sorgfältige Auswahl von Superhelden ist mittlerweile nahezu jeder Held in einem Rächer-Team. Wie ich exklusiv für die Panini-Fanpage enthüllen konnte, werden wir nach den New Avengers, den Dark Avengers und den ruhmreichen Rächern auch bald die Secret Avengers (mit u.a. Wolverine und Spider-Man) und die White Avengers (u.a. mit Wolverine und Spider-Man) begrüßen dürfen. Auch die Titel der nächsten Crossover sind mir schon bekannt. Auf Dark Reign, das sich ja mit den Folgen der Secret Invasion befasst, werden wir demnächst den Confidential War und die Secret Arachnophobia bewundern dürfen. Confidential War bringt als Folge ein neues Rächer-Team mit sich, nämlich die Reckless Avengers (u.a. mit Wolverine und Spider-Man), während Secret Arachnophobia die wahre Quelle aller Spinnenkräfte enthüllt und zur Abwechslung eine neue Spider-Woman hervorbringen wird. Ihre Identität ist noch geheim, aber sie wird, wie es sich für eine Frau des Marvel-Universums, gehört, rothaarig sein. Gwen Stacy und Onkel Ben werden von den Toten zurückkehren. Gwen wird sich die Haare rot färben, um im 616 Universum als interessanter weiblicher Charakter zu gelten.
Darauf werden die Crossover More Secret War, Most Secret War, More Secret Wars, Most Secret Wars folgen. Nach jedem dieser Crossover wird es, wen wundert’s noch, je ein weiteres Rächer-Team (u.a. mit Wolverine und Spider-Man) geben.
Ja, das haut auch den Leser mit dem stärksten Magen um. Aber wie kann man es sich als Marvel-Treuer sonst erklären, wenn mit Gray und Palmiotti die besten Freunde Joes zu Vertigo abgewandert sind? Richtig, es gibt hierfür keine Erklärung außer Selbsterhaltungstrieb.
Joes größter Coup ist und bleibt aber Brandnew Day. Ich weiß, dass er allein bei dem Titel regelmäßig Lachkrämpfe bekommt. Das muss man sich als Freund von Formulierungskünsten mal auf der Zunge zergehen lassen. Unter Joes Regie wird ein Held, nein DER Held Marvels, 20 oder mehr Jahre zurückgeworfen und der Titel lautet dann Brandnew Day. Das ist schon starker Tobak. Immerhin beweist Joe mit diesem Kunstgriff, dass es für ihn ein leichtes ist, aus einer großen Leserschaft, wie Stracynski sie wieder für Amazing Spider-Man gewonnen hatte, eine kleine macht. Ich möchte an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass es sich bei Stracynski um einen eigenständigen Autoren, also nicht um einen Bendis-Klon oder ein Bendis-Pseudonym handelt. Daher steht er bei dem allmächtigen Joe Q. auch auf der Abschussliste.
Bei Marvel gab es mal eine richtig gute, spannende Moon Knight Serie. Geschrieben wurde sie überwiegend von Doug Moench und zeigte DC, dass man sogar aus einem Typen wie Batman einen interessanten, vielschichtigen Charakter machen kann, ohne dass er sich ständig mit seinen Ängsten auseinandersetzt. Mittlerweile ist Moon Knight ein brutaler Schläger, der mit einer Statue spricht und sich jedermann gegenüber noch schlimmer verhält als ich, wenn ich einen DC Comic gelesen habe.
Auch Ms. Marvel und She-Hulk begannen als spannende und lesenswerte Serien. Dadurch, dass beide Serien in Crossover gezwungen wurden, wurden sie banal. Die Folge ist, dass She-Hulk eingestellt wurde.
Und wer glaubt, nun sei der Bodensatz erreicht, der möge sich die spektakulären Enthüllungen um den Ghost Rider als gefallenen Engel oder die Story um Jigsaw bei Punisher durchlesen. Aber Vorsicht! Das war keine wirkliche Empfehlung, das war eher als Warnung zu verstehen.
Und doch gibt es sie noch – die eine Marvel Serie, auf die ich jeden Monat warte und mich freue, nämlich Amazing Spider-Girl. Diese Serie verfügt über eine ausgewogene Kontinuität, über Charaktere, die glaubhaft und nachvollziehbar weiterentwickelt werden, über einen Supporting Cast, der diese Bezeichnung auch verdient und über einen spannenden Plot. Ach ja, hatte ich schon verdrängt. Joe Quesada hat die Serie eingestellt bzw. sie in Amazing Spider-Man Family verbannt, was noch weniger Leser als Amazing Spider-Girl hat. Jetzt soll hier keiner behaupten, Joe wisse nicht, was er tut. Das hat er sich ganz genau überlegt.
Ich möchte nun mein Klagen beenden. Danke an jeden, der sich diese Kolumne bis zum Ende durchgelesen und so als meine persönliche Klagemauer fungiert hat.
Ich werde mich jetzt wieder damit beschäftigen, herauszufinden, ob Joe Q. nun doch ein Skrull ist oder ob er für den Unsinn, den er zu verantworten hat, von DC bezahlt wird.
Unabhängig hiervon habe ich Joe Q. in Jay und Silent Bob schlagen zurück unlängst in einer Nebenrolle als Pizzabote gesehen. Da hat er eine wesentlich bessere Figur abgegeben als als Marvel Chefredakteur.
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