Die fremde Leut’ oder auch die Rosenmontagsfaschingskolumne
Nein, ich bin definitiv weder Faschings- noch Karnevalsfan. Und wenn mich nun jemand als Faschingsmuffel bezeichnet, empfinde ich das als Kompliment und keineswegs als Beleidigung.
Dennoch ziehe ich mir heute die sechsfarbige Narrenkappe’ auf, weil ich heute mal das sagen kann, was längst mal gesagt werden musste.
Wie die ein bis zwei Leser dieser Kolumne erfahren haben, habe ich seit nunmehr fast eineinhalb Jahren mein Lesespektrum erweitert. Weitgehend unangetastet bleiben jedoch nach wie vor die DC Comics, deren Charaktere von mir gerne „Die fremde Leut’ genannt werden. Ich versuche nun einmal zu erläutern, warum das so ist.
Seit nunmehr Jahren ist dieser Verlag krisengeschüttelt. Nein, ich meine damit nicht die Finanzlage des „Zwei-Buchstabenverlages“, die mir, ehrlich gesagt, wurscht ist. Vielmehr meine ich die so genannten Crossover, die DC inflationär auf den Markt wirft und die meistens Enthüllungen mit sich bringen, die mich an guten Tagen immerhin gähnen lassen.
Mit der „Final Crisis“ soll nun die letzte Krise auf den Leser zukommen. Doch die wie üblich gut unterrichteten Kreise haben schon verlauten lassen, dass Geheimpläne über die nächsten Krisen in den Schubladen der DC-Altvorderen lauern. Allein, den Verantwortlichen sind die Attribute vor dem Wort „Crisis“ ausgegangen. Ultimative Crisis klang so abgeschrieben, Secret Crisis auch, Dark Crisis geht genauso wenig, Definite Crisis ist und bleibt eine Option, aber wie grenzt man dies von der Final Crisis ab? Absolute Crisis ist auch möglich, aber wie definiert man eine absolute Krise? Ja, da wird noch Schweiß vergossen werden.
Die Final Crisis soll ja den Übergang zu Batman R.I.P. beinhalten. Nachdem Brubaker bei Marvel ja Captain America getötet hat, muss ja der Distinguished Competition irgendwie nachziehen. Man will ja auch mal bei CNN Erwähnung finden.
Außerdem werden nun die DC-Leser monatelang damit beschäftigt zu rätseln, wer künftig den Batman geben darf. Dabei ist die Antwort ganz leicht. Da der unverwüstliche Wally West als Flash aus dem Reich der Toten wiederauferstanden ist, muss er auch zwangsläufig der neue „Caped Crusader“ werden. Bei den aktuellen Arbeitsmarktzahlen können sich die USA nicht noch einen weiteren Arbeitslosen leisten.
Tatsächlich ist aber eine weitere und damit die eigentliche Enthüllung geplant. Viele DC-Leser philosophieren ja seit Jahr und Tag, ob nun Superman oder Green Lantern der mächtigste Held des DC-Universums ist. Doch beide Lager haben weit gefehlt. Das mächtigste Wesen des DC-Universums ist Lois Lane, weil sie Superman mit spielerischer Leichtigkeit im Griff hat. Sie wird ihre Geheimidentität als Super-Zicke demnächst enthüllen.
Superman selbst bezeichne ich gerne als Superlangweiler oder auch kurz als Superheini. Seit Dan Jurgens, der Doomsday auf den Kryptonier angesetzt hatte, hat es kein Autor mehr hingerungen, einen auch nur halbwegs passablen Gegenspieler aufzubauen, der den Superheini mal fordern konnte. Immerhin ist es mir gelungen, nachdem ich einige hochdekorierte Beamte aus dem Gesundheitsministerium bestochen habe, herauszufinden, dass Superman Comics demnächst als Ersatz für Schlafmittel herausgegeben werden. Dieses Projekt hat im Ministerium den Namen „Superlangweiler“. Zwei Punkte sind in diesem Zusammenhang von Ulla Schmidt noch zu klären:
1. Werden Superman Comics dann apothekenpflichtig?
2. Wie bekommt man die Patienten wieder wach, die gleich 2 Superman Comics hintereinander gelesen haben?
Es soll schon Probanten geben, die jetzt schon mehrere Monate schlafen, nachdem sie 2 Superman Comics am Stück gelesen haben. Man denkt nun über eine Schock-Therapie mit deutscher Volksmusik nach.
Immerhin soll ja die neue Storyline „World of new Krypton“ neuen Schwung in Superman bringen. Auf dem Cover schaut Superman vielleicht auch deswegen so beseelt drein. Das Motto „There’s no place like home“ stammt ja aus Alice im Wunderland. Das zeigt doch eindrucksvoll, wohin sich Superman inhaltlich bewegt.
Green Lantern ist eine besonders spannende Serie, denn die DC Gewaltigen haben sich nun der Farbenlehre erinnert. Demnächst kommen dann wahrscheinlich das Pink Lantern Corps, das nicht über Ringe, sondern über Handtaschen verfügt, aus denen sie mit Wattebäuschen werfen, das eher immer etwas schwermütige Blue Lantern Corps und das zombielastige Black Lantern Corps auf uns zu.
Wichtig ist auch, dass ein DC-Held fliegen kann. Sonst bekommt er erst gar nicht eine eigene Serie. Nur Batman kann nicht fliegen. Er gleitet mit Hilfe seines Capes. Na ja, deswegen muss er vielleicht auch sterben. Wie bitte? Robin und Nightwing können auch nicht fliegen? Ok, aber werden ihre Serien nicht eingestellt?
DC und seine Helden sind so stolz auf ihre Flugeigenschaften, dass sie das auch auf fast jedem Cover unter Beweis stellen. An guten Tagen amüsiert mich das, an weniger Guten ist das doch eher langweilig.
Dies bringt mich zum Thema Zeichner. Nehmen wir mal die Brüder Kubert. Bei Marvel wurden sie für ihre Arbeit an 1602 oder den X-Men zu Recht gefeiert. Bei DC sehen ihre Zeichnungen so aus, als hätten sie ihr Talent bei Marvel gelassen, aber das stimmt nicht. Fakt ist, dass sie regelmäßig beim Lesen der Skripte einschlafen und dann schludern müssen, um ihre Termine zu wahren.
Auch Bagleys Arbeit für DC übertrifft nur knapp die Ausstrahlungskraft meines Badewannenstöpsels.
Immerhin in einem ist der Zwei-Buchstabenverlag unerreicht. Seine Helden sind noch wirkliche Helden. Strahlend, perfekt, immer gut gekleidet und ohne Makel kommen sie daher.
Achja, Batman bietet da schon ab und zu eine Ausnahme. Na ja, dafür stirbt er ja auch.
Und achja, Wonder Woman hat die Erde gerettet, indem sie Maxwell Lord umgebracht hat. Dafür wurde sie so geächtet, dass es des vereinten Talents eines Allan Heinberg und Terry Dodson bedurfte, um sie wieder im DC Multiversum einzuführen. Wer diese Story liest, wird sich wundern, wie schwer sich Heinberg tut, um Wonder Woman zurück zu bringen. Dies soll aber keine Leseempfehlung sein, es sei denn, Sie haben Schlafprobleme (siehe Superman).
Die gute Kleidung basiert fast immer auf einem Cape, um das Ritterliche dieser Helden hervorzuheben. Egal, ob Batman, Robin, Superheini oder Red Tornado und noch viele mehr, ein Cape ist Programm.
Das Multiversum an sich treibt mir auch immer wieder vor Lachen das Nasse in die Augen. Immerhin hat der Begriff an sich ja einen intellektuellen Anspruch. Multus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „viel“. Latein selbst, ich denke, das ist bekannt, ist eine tote Sprache, die aber auf viele Sprachen immer noch ihren Einfluss hat – mehr Einfluss als DC auf den Comic-Markt. Doch ich schweife ab. Das Multiversum vereint alle Universen, über die DC und die angeschlossenen Verlage wie Vertigo und WildStorm erzählen. Das Multiversum umfasst ebenso viele Erden wie das Jahr Wochen – nämlich 52. Braucht man mal eine Änderung, kann man ja einfach wechselseitig auf eine der 52 Erden zugreifen oder auf Superboy Prime, der in dem einen oder anderen Universum doch noch lebt und gefrustet auf einen Spiegel schlägt. Anderen bringt das 7 Jahre Pech, Superboy Prime verändert so schon einmal die Realität.
Aber auch das hat Gutes. DC entwickelt zurzeit unter strengster Geheimhaltung ein neues Konzept der Kundennähe. Man hat herausgefunden, dass bei DC so viele Leser abgesprungen sind, dass bald jeder Einzelne per Handschlag begrüßt werden kann.
Ok, an dieser Stelle habe ich ein bisschen übertrieben. Macht aber nichts, ist ja Fasching.
Leider muss ich nun aufhören. Gerade hat sich nämlich Dan DiDio bei mir angekündigt. Er möchte mir die Hand schütteln, weil ich letztes Jahr Wonder Woman gelesen habe.




